Tag des weißen Stockes 2020

Tag des weißen Stockes 2020

Donnerstag, 15.10.2020

Beim diesjährigen Tag des weißen Stockes am 15. Oktober stand der Check diverser Haushaltsgeräte auf Barrierefreiheit im Mittelpunkt. Dazu machte der Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg (BSVS) einen Lokalaugenschein im Shop einer Elektronik-Handelskette, um die breite Palette der Bedienbarkeit zu zeigen. Der Test ergab, dass es gute Ansätze mittels einrastbarer Drehknöpfe oder akustischer und fühlbarer Sensortasten gibt, dass die barrierefreien und bedienbaren Geräte teuer sind, dass im Entwicklungsprozess der Geräte Barrierefreiheit noch zu wenig mitgedacht wird, dass die betroffenen Menschen immer technikaffiner werden müssen, um die Geräte zu bedienen. Der BSVS gründete dazu ein eigenes Technikforum, das blinde und sehbehinderte Menschen im Umgang mit Digitalisierung schult.

Waschmaschine, Herd, Kaffeemaschine sind die Alltagshelfer im Haushalt. Design, Funktionalität, Preis sind meist die Entscheidungskriterien. Für blinde und sehbehinderte Menschen zählt aber nur die Bedienbarkeit. Ist diese nicht gewährleistet in Form von Drehknöpfen, die bei der Temperaturwahl oder bei speziellen Programmen einrasten oder Sensortasten, die fühlbar sind und akustisch arbeiten, dann ist es schnell vorbei mit dem neuen Gerät. Oftmals scheitert es schon an dem Ein- und Ausschaltknopf, der nicht taktil irgendwo versteckt verbaut ist. Die fortschreitende Digitalisierung mit Touchscreen, Sensoren, Sprachausgabe ist hier Fluch und Segen zugleich. Viele der Betroffenen sind nicht technikfit genug, um hier mitzuhalten.

„Der BSVS hat dazu ein Technikforum gegründet, das genau hier ansetzt. Betroffene können sich bei der Wahl des richtigen Gerätes beraten lassen oder lernen in Form von Workshops den richtigen Umgang mit Smartphones, Sprachassistenten etc. Wir wollen den Betroffenen mit dem Technikforum den Zugang zu moderner Technik ermöglichen. Voraussetzung bei allem ist das universell bedienbare und nutzerfreundliche Produktdesign. So bleiben stark seheingeschränkte Menschen eigenständig und selbstbestimmt. Das gilt gleichermaßen für ältere Personen oder Personen mit eingeschränkten motorischen und neurologischen Fähigkeiten. Barrierefreiheit ist für alle gut. Sie muss von Beginn an im Entwicklungsprozess eines Produktes integriert sein. Adaptierungen sind meist kompliziert und kostenintensiv“, so Josef Schinwald, Obmann des BSVS zur Barrierefreiheit von Geräten.

Geleitet wird das Technikforum im BSVS von Markus Feldbacher. Selbst stark seheingeschränkt, weiß der gelernte Elektronikverkäufer wovon er spricht: „Durch meine eigene Betroffenheit habe ich mit diversen Geräten meine Erfahrungen gemacht und kann dementsprechend beim Kauf von Geräten die Mitglieder im BSVS beraten. So gibt es im TV-Bereich die OLED-Technologie. Dabei wird jeder Bildpunkt im Hintergrund beleuchtet. Für mich bedeutet das, einen Film ohne Augenschmerzen wieder fertig sehen zu können. Ein anderes Beispiel ist meine Kaffeemaschine, die ich über mein Handy bediene. Beim Befehl „Müder Krieger“ kommt der doppelte Espresso. Induktionsherd mit Topferkennung, Waschmaschine mit Waschmitteldosiersystem und der Saugroboter sind Geräte, die mir das Leben erleichtern, aber ein entsprechendes Technikwissen voraussetzen. Daher ist das Technikforum im BSVS so wichtig.“

Eigenschaften barrierefreier Haushaltsgeräte bedienen das Mehr-Sinne-Prinzip. Das bedeutet, die Wahrnehmung und Bedienung eines Gerätes über mindestens zwei Sinne, wie zum Beispiel neben visuellen Informationen sollte es zum Beispiel auch eine Sprachausgabe geben und/oder die Einstellungen sollten über tastbare Bedienelemente vorgenommen werden können. Die Käufergruppe derartiger Geräte wird steigen, einerseits durch die zunehmende Vergreisung der Gesellschaft und hört man den Prognosen von Augenmedizinern zu, dann wird im Jahr 2050 Kurzsichtigkeit die häufigste Ursache für Erblindung sein. Je nach Ausprägung haben kurzsichtige Betroffene ein höheres Risiko, an einem grünen Star zu erkranken, eine Netzhautablösung zu bekommen oder irreversible Schädigungen der Netzhaut durch deren starke Dehnung beim Längenwachstum des Auges zu erleiden.

Zurück